Wetterrückblick: Ein Januar zwischen Frühlingsgefühlen und dunklem Bergwinter

Der Januar 2022 zeigte sich in großen Teilen Deutschlands eher von seiner milden als von seiner eisigen Seite. Anstatt in tiefem Winterschlaf zu verharren, wurden die Niederungen von ungewöhnlich hohen Temperaturen verwöhnt, die phasenweise schon an späte Apriltage erinnerten. Schon früh im Monat erwachte so die Natur aus ihrer Ruhepause und die ersten Pollen begannen zu fliegen.

Doch während man im Flachland das typische Wintergefühl größtenteils vergeblich suchte, bot das höhere Bergland ein gänzlich anderes Bild. Hier dominierte Dauerfrost, dichte Schneedecken luden zum Wintersport ein und die Sonne lachte über den Berggipfeln, während Täler und Ebenen allzu oft in hartnäckigem Grau versanken.

Temperaturen: Ein Hauch von Frühling im Hochwinter

Mit einer Durchschnittstemperatur von 2,6 Grad Celsius legte der Januar einen beachtlichen Wärmerekord hin und lag um bemerkenswerte 3,1 Grad über dem Wert der internationalen Referenzperiode 1961 bis 1990 (im Vergleich zur wärmeren Periode 1991 bis 2020 betrug das Plus immerhin noch 1,7 Grad). Zum Jahresstart fühlte es sich vielerorts eher nach Frühling an: Das baden-württembergische Rheinfelden meldete am 4. Januar fantastische 18,2 °C und bescherte dem Südwesten sogar einige neue Monatsrekorde. Echte Kälte fand man lediglich in den Bergen – so stürzte das Thermometer im bayerischen Oberstdorf am 12. Januar auf frostige -17,3 °C.

Niederschlag: Regenreiche Mitte, aber trockene Phasen im Osten

Rund 60 Liter pro Quadratmeter fielen im bundesweiten Schnitt. Damit entsprach die Niederschlagsmenge fast exakt dem langjährigen Soll der Referenzperiode 1961 bis 1990 von 61 Litern pro Quadratmeter (gegenüber 1991 bis 2020 fiel jedoch 10 Prozent weniger Regen, also ein leichtes Minus). Während ein riesiges Niederschlagsgebiet Anfang des Monats Flüsse anschwellen ließ – Spitzenreiter war Baiersbronn-Schönegründ mit 57,2 Litern am 4. Januar –, blieben Schneefälle abseits der Mittelgebirge eher die absolute Ausnahme. In den Bergen kamen derweil teils satte 150 Liter Niederschlag zusammen, doch die Magdeburger Börde verzeichnete mancherorts staubige Werte von unter 20 Litern pro Quadratmeter.

Sonnenschein: Trübe Täler und goldene Gipfel

In Sachen Sonnenschein bot der Januar das klassische Bild einer Inversionswetterlage: Insgesamt wurde das historische Soll mit 45 Sonnenstunden (Periode 1961 bis 1990: 44 Stunden) fast genau getroffen, fiel jedoch im Vergleich zu den Jahren 1991 bis 2020 um 15 Prozent geringer aus. Unter einer zähen Hochnebeldecke blieb es in den Tälern und Niederungen oft tagelang trüb – vielerorts schien die Sonne keine 20 Stunden. Ganz anders im Gebirge: Wer die Gipfel der Alpen oder südlichen Mittelgebirge erklomm, wurde mit traumhafter Fernsicht und lokal sogar weit über 100 Stunden strahlendem Sonnenschein belohnt.

Zusammenfassung:

Der Januar 2022 präsentierte sich als deutlich zu warmer, oftmals grauer Wintermonat im Flachland, der mit vorzeitigem Frühlingserwachen überraschte, den echten Winterspaß aber konsequent in die sonnenverwöhnten Höhenlagen der Bergregionen verbannte.