Wetterrückblick: Goldener Herbstabschluss mit kurzem Frostschock
Der November 2022 zeigte sich weitaus milder und sonniger, als man es vom klassischen "Nebelmonat" erwarten würde. Angetrieben durch vorherrschende Südwest- bis Westströmungen setzte sich das ungewöhnlich hohe Temperaturniveau des Oktobers über weite Strecken fort und bescherte dem Land herrliche Spätherbsttage. Erst gegen Ende der zweiten Dekade erinnerte ein markanter, aber kurzer Kaltluftvorstoß daran, dass der Winter langsam Einzug hält.
Geprägt von viel Sonnenschein und einer klaren Zweiteilung der Niederschläge – mit nassen Bergen im Südwesten und bemerkenswerter Trockenheit im Nordosten – verabschiedete sich der meteorologische Herbst mit einem facettenreichen und überaus freundlichen Finale.
Temperaturen: Anhaltende Milde und ein eisiges Intermezzo
Mit einem beachtlichen Monatsmittel von 6,4 Grad Celsius war der November deutlich zu warm. Er lag damit satte +2,4 Grad über dem Durchschnitt der internationalen Referenzperiode 1961 bis 1990 und immer noch +1,6 Grad über dem Wert der wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020. In den ersten beiden Wochen kletterten die Thermometer vielerorts auf über 20 °C, angeführt vom badischen Müllheim, das am 8. November mit sommerlichen 20,5 °C glänzte. Zwischen dem 19. und 21. November wendete sich das Blatt dramatisch: Strenge Fröste erfassten das Land, wobei am Brocken im Oberharz mit klirrenden -11,6 °C der kälteste Wert des Monats gemessen wurde.
Niederschlag: Deutliche Trockenheit und extreme regionale Gegensätze
Mit bundesweit nur rund 50 Litern pro Quadratmeter (l/m²) fiel deutlich zu wenig Regen. Die Ausbeute erreichte lediglich etwa drei Viertel der Niederschlagsmenge (Defizit von 25 Prozent) der Periode 1961 bis 1990 (66 l/m²) und verfehlte auch den Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 (63 l/m²) mit einer Ausbeute von 80 Prozent (Defizit von 20 Prozent) deutlich. Während der Schwarzwald regelrecht geflutet wurde – Baiersbronn-Ruhestein sammelte fast 270 l/m² und Freudenstadt-Kniebis erlebte am 17. November einen Tagesniederschlag von 57,8 l/m² –, trocknete der Nordosten mit mageren Werten von unter 10 l/m² regelrecht aus. In den Mittelgebirgen kündigte zudem eine über 10 Zentimeter dicke Schneedecke den herannahenden Winter an.
Sonnenschein: Ein Rekordjäger durchbricht das Novembergrau
Die Novembersonne präsentierte sich in Bestform und strahlte im Durchschnitt beeindruckende 75 Stunden. Dies entspricht einem massiven Überschuss von fast 40 Prozent gegenüber dem Soll der Periode 1961 bis 1990 (53 Stunden) – eine ähnlich hohe positive Abweichung zeigte sich auch im Vergleich zur aktuelleren Periode von 1991 bis 2020. Besonders in den östlichen Regionen und in Nordrhein-Westfalen befand sich die Sonnenscheindauer mit teils über 100 Stunden auf Rekordkurs, während der äußerste Norden mit nur halb so vielen Sonnenstunden das Nachsehen hatte.
Zusammenfassung:
Der November 2022 durchbrach das Klischee des tristen und grauen Herbstmonats eindrucksvoll. Als ausgesprochen sonniger, zu trockener und deutlich zu warmer Monat verabschiedete er den Herbst mit goldenem Glanz, wobei eine kurze, aber knackige Frostphase in der zweiten Monatshälfte das Land eindrücklich auf den bevorstehenden Winter einstimmte.
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